Strohberta in Trebgast

Strohberta in Trebgast

Furcht erregend sehen sie schon aus, die zehn wilden Gestalten der „Strohberta“. Wer ängstigt sich nicht beim Anblick des ganz in Stroh gehüllten Bären mit den scheppernden „Ochsenrollen“ am Ledergurt, des Schlotfegers mit gerußtem Gesicht und Zylinder oder der gestrengen Ordnungshüter mit dem Knüppel in der Faust ?

In Trebgast zieht diese seltsame Gruppe alljährlich an Heiligabend noch durch die Straßen. Wären da nicht noch die biederen Bauersleute, das „Männla und Fraala“ mit ihren Huckelkörben und vor allem das hell gekleidete, freundliche Christkindla mit von der Partie, müsste man in der Tat um diese lärmenden Gesellen einen großen Bogen machen oder die Haustüre versperren.

Dazu aber besteht überhaupt kein Grund. Die „Strohberta“ will den Bürgern Glück und Segen ins Haus bringen, mit den ausgestreuten Erbsen und Zuckerstückchen Lebensfreude und Fruchtbarkeit symbolisch allen Hausbewohnern vermitteln.

Und das nun schon Jahr für Jahr seit unerdenklichen Zeiten. Niemand weiß genau, wann dieser Brauch zum Jahresausklang erstmals aufkam. Sicher aber ist, dass der Strohbär das Alte, Vergehende und Heidnische verkörpert, das Christkind aber als der Überwinder von Aberglauben und Ängsten durch den christlichen Glauben gefeiert wird.

Dieser Brauch des „Strohberta-Umzugs“ war in ähnlicher Formation einst in wesentlich mehr ländlichen Orten in ganz Oberfranken verbreitet, vor allem in der Umgegend von Hof. Mit den Kriegsjahren, in denen die Behörden bis 1945 diesen Umzug verboten hatten, und mit dem Einzug von Technik und Rationalität auch in den Bauerndörfern verschwand die „Strohberta“ völlig. Nur im einstigen Steinhauerdorf Trebgast nahmen die Dorfburschen nach 1945 diese alte Tradition wieder auf und pflegen seitdem ununterbrochen diesen jährlichen Umzug bis heute.

Haben sich auch die Kostüme der Figuren leicht geändert, so hält man eisern am Gewand des Bären fest: Ein Erbsenstrohgeflecht, in das der Kräftigste unter den Dorfburschen von den Füßen bis zum Kopf kunstvoll eingewickelt wird – für rund zehn Stunden Umzug .

Jahr für Jahr finden sich in Trebgast immer wieder neue Dorfburschen, die sich zur „Strohberta“ zusammenscharen und an Heiligabend mit Bär, Christkindla, Männla und Fraala, Schlotfeger, Polizisten und Steuereintreiber, Sackträger und Bärentreiber durch die Straßen ziehen.

Glück bringend ist, wenn man vom Schlotfeger angeschwärzt wird, Strohhalme aus dem "Bärenfell" ziehen kann und ein paar getrocknete Erbsen ergattert.

Ein Höhepunkt im Jahresablauf und eine weihnachtliche Tradition für viele, die es am Schönsten vormittags an Heiligabend in der Dorfschänke in Trebgast "beim Kufer" zu feiern gilt!

Strohberta in Trebgast im Fankenwald
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