Die Geschichte des Marktes Presseck im Frankenwald

Historische Ansicht von Presseck im Frankenwald

Gemeindegebiet und erste urkundliche Erwähnung:
Das infolge der Gebietsreform in den 70er Jahren entstandene Kleinzentrum Presseck, der nördliche Teil des Landkreises Kulmbach, umfasst bei einer Gesamtgröße von 52 qkm außer dem Gebiet des Marktes Presseck auch den ehemals selbständigen Markt Wartenfels, dazu die früheren Gemeinden Heinersreuth, Köstenberg, Schlackenreuth, Wildenstein und Reichenbach sowie die Ortsteile Schöndorf, Braunersreuth und Kunreuth aus der aufgelösten Gemeinde Schwand.

Die Pressecker Gemeindeflur reicht nunmehr von der an der Steinach gelegenen ehemaligen Waffenschmiede (Waffenhammer) im Süden bis zum Gasthaus Fels an der Wilden Rodach im Norden und von dem bei Ehesberg gelegenen Mühlbachgrund im Westen bis zu dem Schlackenmühlbach mit seinen Mühlen: Schübelsmühle, Petersmühle, Schlackenmühle und Papiermühle im Osten.

Natürlich und geschichtlich ist Presseck mit seinen Ortsteilen dem Raum zugeordnet, der früher die beiden Halsgerichte Presseck und Wartenfels umfasste und größtenteils innerhalb jener natürlichen Grenzen liegt, die ausführlich aus einer Urkunde hervorgehen, nach welcher im Jahre 1007 Fürstbischof Eberhard I. von Bamberg einen Teil des Nordwaldes (Frankenwald) an seinen gräflichen Bruder Cuno von Henneberg vertauschte. Unerwähnt soll nicht bleiben, dass den Lokalhistorikern nicht verborgen blieb, dass diese Urkunde erst zwischen 1106 und 1126 abgefasst wurde und durch das Hochstift Bamberg möglicherweise aus Zweckmäßigkeitsgründen um 100 Jahre vordatiert wurde.

Wie aus den ersten urkundlichen Erwähnungen der Pressecker Ortsteil Schlopp 1024, Reichenbach (Troisbach) und Ehesberg (Hepersperch) 1126, Seubetenreuth (Zidebotenruit), Altenreuth (Bennenruit) und Köstenberg (Adeloldesperch) 1143 hervorgeht, sind die klassischen Waldhufendörfer dieses Raumes um die Jahrhundertwende in den Quellmulden der Frankenwaldhochflächen entstanden, als fränkische Grundherren zinspflichtige Siedler auf Neuland ansetzten.

Die Zeit der Fürstbischöfe, Grafen, Reichsritter und Untertanen:
1318 verlieh der regierende Landesherr Fürstbischof Wulfing von Bamberg an den aus einem vogtländischen Geschlecht stammenden Ritter Nicolaus von der Grün die Burg Wildenstein mit den Dörfern Rützenreuth, Dittmarsreuth (vermutlich Wustuben), Grafengehaig und Braunersreuth. Nicolaus von der Grün wurde durch diese Lehen zum Stammvater der Herren von Wildenstein.

Unklar ist, warum der Ort Presseck der spätere zentrale Mittelpunkt der Wildensteinischen Herrschaft in der Lehenurkunde des Jahres 1318 unerwähnt geblieben ist. Möglicherweise hatten die von der Grün freieigene Besitzungen im Frankenwald zu denen Presseck gehörte bevor Nicolaus von der Grün das Burghutlehen aus der Hand des Bamberger Bischofs erhielt.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Presseck geht aus einem Grundstücksvertrag hervor, den Bischof Lupold von Bamberg 1362 mit dem Ritter Hans von Waldenfels abschloss. In dieser Urkunde wird bei der Beschreibung eines Wegerechts die Straße erwähnt, die von Presseck herab (nach Stadtsteinach) führt.

Der slawisch klingende Ortsname inmitten der vielen Reuth-Orte, veranlasste die Ortsnamenforscher zu verschiedenen Deutungen, die vom altslawischen "presseka", d.h. Waldhau oder Waldschlag (Rodung), bis zum Waldverhau (Stellenname für die Sperrung einer Hochstraße) und bis zur Zerlegung des Namens ins Mittelhochdeutsche: "Pr=bei der - ess=Weide - eck=am Eck" (Siedlung bei der Weide am Eck) reichen.

Kurze Zeit nachdem die Ritter von der Grün-Wildenstein in ihrer Burg auf dem Wildensteiner Felsen eingezogen waren, errichteten 1327 der Ritter Reiwein von Wartenfels und seine beiden Söhne Heinrich und Friedrich die Burg Wartenfels auf einer Anhöhe oberhalb der Nordwaldsiedlung gleichen Namens und 1332 gestattete Bischof Wernto von Bamberg den Herren von Wartenfels ihre Burgkapelle zu dotieren, d.h. mit den notwendigen wirtschaftlichen Mitteln auszustatten und dort einen Priester einzusetzen, wobei das Begräbnisrecht und das geistliche Recht nach wie vor dem Pfarrer von Obersteinach (Stadtsteinach) zusteht.

Wann in Presseck und in Wartenfels die ersten Kirchen gebaut wurden bleibt im Dunkel der Geschichte.

Die Pressecker Pfarrkirche wurde in verschiedenen zeitlich weit auseinander liegenden Bauabschnitten errichtet. Die Verschiedenartigkeit des Baustils von Kirchenschiff und Kirchenchor und die erkennbare Verwendung alter Mauerteile der Kirchenschiffnordwand sowie verdeckte Fundamentreste im Kirchhof lassen dies deutlich werden. Während von Bausachverständigen ein Teil der Bausubstanz des Kirchenschiffes dem 13. Jh. zugeschrieben wird, geht aus einem Tellerschlussstein des Kirchenchordeckengewölbes hervor, dass dieser durch die Herren von Wildenstein an die ursprüngliche Kirche angebaute Kirchenteil 1513 vollendet wurde. In Wartenfels sind solche Hinweise leider nicht gegeben, weil dort die alte Pfarrkirche infolge Baufälligkeit 1861 geschlossen und abgebrochen werden musste.

Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarreien Presseck und Wartenfels geht auf ein Abgabeverzeichnis des Jahres 1421 zurück. Im gleichen Jahr bestätigte Bischof Albrecht von Bamberg den Rittern von Wartenfels auch die von ihnen gestiftete Frühmesse in Wartenfels.

Der Pfarrei Presseck war von alters her die Filiale Enchenreuth angegliedert. Der Pressecker Pfarrsprengel reichte demzufolge damals von Schwand bis in die Gegend von Schwarzenbach am Wald und dürfte im Hinblick auf dieses umfangreiche Gebiet schon lange vor 1421 bestanden haben.

Das Jahr 1421 hatte für die Ritter von Waldenfels neben der bischöflichen Frühmessbestätigung noch eine besondere Bedeutung. Kaiser Siegesmund verlieh nämlich, am Sonntag Invocavit (6. Sonntag vor Ostern) dieses Jahres, dem Ritter Kaspar von Waldenfels das Privileg der Freiung im Schloss und auf dem Berg Wartenfels. Der Ritter wurde damit ermächtigt, bei Vorlage eines kaiserlichen Geleitbriefes Verbrechern (Meuchelmörder genannt) bis zu ihrer Aburteilung, unter Beachtung gewisser Ausgangsvorschriften, Asyl zu gewähren. Dieses kaiserliche Recht hinderte die Herren von Waldenfels aber keineswegs, ihr Schloss in Wartenfels zum Versteck für Gefangene und Beute eines von ihnen geplünderten Nürnberger Kaufmannszuges zu benutzen. Und so kam es, dass im März 1444 von den Nürnbergern nicht nur das Wartenfelser Schloss geschleift, sondern darüber hinaus auch noch 18 Höfe in einigen zum Rittergut gehörigen Dörfern niedergebrannt wurden.

Im 15. Jh. hatten Presseck und Wartenfels als Kirchenorte und Gerichtssitze im Bereich der Wildensteiner und Waldenfelser Grundherren bereits zentrale Bedeutung erreicht. Auf diese Zeit gehen auch die Marktrechte beider Orte zurück.

Im Bauernkrieg kamen die Schlösser der beiden heimischen Grundherren in Wildenstein und in Wartenfels mit einigen Brand- und Mauerschäden noch verhältnismäßig glimpflich davon. Doch zeigte sich im Markgräflerkrieg 1553 deutlich, wie sehr die Wildensteiner und Waldenfelser Reichsritter, bei ihrer Abhängigkeit vom bischöflichen Landesherrn in Bamberg und von den Kulmbach-Bayreuther Markgrafen, buchstäblich zwischen zwei Stühlen saßen.

Hans von Waldenfels zu Wartenfels war einerseits dem Fürstbischof von Bamberg verpflichtet und andererseits als markgräflicher Hofrichter ein Vertrauter des kriegerischen Markgrafen Albrecht Alcibiades. Nicht zuletzt unter dem Einfluss des Markgrafen besetzte Hans von Waldenfels im Jahre 1549 die Pfarrei Wartenfels mit einem protestantischen Pfarrer; kein Wunder also, wenn im Markgräflerkrieg 1553 vereinte, gegen den Markgrafen kämpfende Nürnberger und bischöflich-bambergische Reiter das Wartenfelser Schloss bedrängten.

Noch schlimmer erging es den Herren von Wildenstein, die in dieser Phase des Markgräflerkrieges mehr auf der Seite des Bamberger Fürstbischofs standen. Die markgräfliche Soldateska verwandelte 1553 das Schloss auf dem Wildensteiner Felsen in einen Trümmerhaufen und gleichzeitig verlor die Pfarrei Presseck ihre Filiale Enchenreuth, weil Markgraf Albrecht Alcibiades dort einen protestantischen Pfarrer installierte.

1574 verkaufte der in Geldnot geratene Hans Adam von Waldenfels das Schloss Wartenfels und die dazugehörigen Höfe und Güter an den bambergischen Rat und Hofmeister Wolf Dietrich von Wiesenthau. Im diesbezüglichen Kaufbrief werden die Orte Wartenfels, Altenreuth, Reichenbach, Seubetenreuth und Ehesberg (insgesamt 16 Höfe und 48 Güter) aufgezählt. Das Patronat für die Wartenfelser Pfarrei und für die Frühmesse verblieben dem Ritter Hans von Waldenfels zu Losau. Doch bereits vier Jahre später ging das Rittergut Wartenfels 1578 aus dem Besitz des bambergischen Rates von Wiesenthau käuflich an den Reichsritter Lorenz von Guttenberg über.

Nicht allein die Herren von Waldenfels waren im 16. Jh. in Geldnot geraten. Auch ihren Rittersgutnachbarn, den Herren von Wildenstein, ging es nicht besser. Zu viele aus deren Sippe waren gezwungen, von dem in jahrhunderte langer Erbteilerei in mehrere Güter zersplitterten Besitz zu leben. Schon bevor 1553 das Schloss Wildenstein zerstört wurde, existierten in Schlopp, Presseck, Elbersreuth und Heinersreuth Rittersitze des kleinen Geschlechts.

Ende des 16. Jh. gelang es Hans Adam von Wildenstein zu Schlopp, einem der profiliertesten Sprösslinge seines Geschlechts, die verschuldeten Güter seiner ritterlichen Verwandtschaft nach und nach zu erwerben, so dass der Wildensteinische Besitz um 1600 erstmals wieder in einer hand war.

Hans Adam von Wildenstein zu Schlopp war es auch, der den Glaubenswechsel der Herrn von Wildenstein in der zweiten Hälfte des 16. Jh. nach dem Rechtsgrundgesetz der damaligen Zeit "Wessen das Land, dessen die Religion" erfolgreich gegen den Willen des Bischofs von Bamberg verteidigte. Doch waren bereits die Nachkommen von Hans Adam, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, wieder in getrennten Gütern zu Schlopp, Elbersreuth und Heinersreuth zu finden.

Im dritten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, 1621, wechselten Schloss und Rittergut Wartenfels wieder einmal den Besitzer. Das Hochstift Bamberg trat an die Stelle des Herren von Guttenberg. Kurz vor dem Verkauf hatten sich die Verkäufer nochmals von Kaiser Ferdinand II. das auf 1421 zurückgehende kaiserliche Privileg der Freiung für Schloss Wartenfels bestätigen lassen. Aus dieser Zeit stammt ein erhalten gebliebenes Siegel, welches einen Felsenberg mit Baum sowie zwei gekrönte Löwen zeigt und durch die Umschrift "+ROM+KAYS+MAY+FREI+HEIT+WAR+TENFELS+" auf das mit Schloss und Berg Wartenfels verbundene kaiserliche Recht hinweist. Dieses Siegel fand im 19. Jh. Verwendung für die Genehmigung des Wartenfelser Marktwappens.

Mit dem Kauf von Schloss und Rittergut Wartenfels durch das Hochstift Bamberg im Jahre 1621 verlief die Wiedereinführung des katholischen Glaubens in der seit 1549 protestantischen Pfarrei Wartenfels friedlich.

Im Gegensatz dazu versuchte Fürstbischof Johann Georg II. von Bamberg die Rekatholisierung der protestantischen Pfarrei Presseck während des Dreißigjährigen Krieges mit Gewalt durchzusetzen. Im Dezember 1624 ließ der Bischof die Pressecker Pfarrkirche mit Truppengewalt besetzen und den protestantischen Pfarrer vertreiben. Die Pfarrei Presseck wurde, auf bischöfliche Anordnung, vorläufig durch die nunmehr wieder katholisch gewordene Pfarrei Enchenreuth mit versehen.

Der Glaubenskampf zwischen den Herren von Wildenstein und dem Hochstift Bamberg, in dessen Verlauf sich vor allem Nicolaus (Claus) von Wildenstein zu Elbersreuth hervortat, hielt bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges an und führte dazu, dass die Wildensteiner Reichsritter zeitweilig ihre Sitze in Schlopp und Elbersreuth verlassen und sich im markgräflichen Gebiet aufhalten mußten.

Zu einer Zeit, in der die Gerichtsverwaltung im Wildensteinischen Gebiet vollends in Unordnung geraten war, wurde das bambergische Steuer-, Kasten- und Centamt Wartenfels mit den beiden Rittergütern Losau und Rugendorf als siebentes Halsgericht dem Oberamt Kupferberg angegliedert.

1632 hatten die Pressecker unter den Schweden und die Wartenfelser unter den Markgräflichen zu leiden.

Der so genannten Normaljahrbestimmung des Westfälischen Friedens von 1648 zufolge, nach welcher der Besitzstand der geistlichen Güter und die religiösen Verhältnisse von 1624 wiederherzustellen waren, wurden Kirche und Pfarrei Presseck den Protestanten zugesprochen; der Bischof von Bamberg konterte und verfügte die Umpfarrung der im bambergischen Gebiet liegenden und von alters her nach Presseck eingepfarrten Orte Kunreuth, Braunersreuth, Schöndorf, Schwand und Seubetenreuth nach Wartenfels; Schnebes kam zu Enchenreuth.

Ernst von Wildenstein zu Schlopp, der sich daneben auch zu Presseck und Schwarzenbach am Wald nannte, ließ in den Jahren 1648 - 1650 die im Dreißigjährigen Krieg vernachlässigte und teilweise Einsturzgefährdete Pressecker Pfarrkirche renovieren und vom Kulmbacher Maler Friedrich Schmidt mit sehenswerten Deckengemälden ausschmücken.

Ende des 17. Jhs. konnten die Wildensteiner Reichsritter ihren stark verschuldeten Besitz nicht mehr halten. Erste Verkaufsverhandlungen führten sie 1690 mit Carl Friedrich Freiherrn Voit von Rieneck und 1693 erwarb das Hochstift Bamberg, unter der Regentschaft des Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg, die sogenannte "Wildensteinische Herrschaft" mit ihren sämtlichen Besitzungen und Rechten.

Als sichtbares Zeichen des Besitzerwechsels führte 1693 das Hochstift Bamberg für die "Wildensteinische Herrschaft" ein neues Gerichtssiegel ein, das auf vier Feldern den Bamberger Hochstiftslöwen, das Geschlechtswappen der Schenk von Stauffenberg, eine Justitia und drei mit Kugeln besteckte Spitzen zeigt. Dieses Gerichtssiegel ließ sich der Markt Presseck anfangs des 19. Jhs. ursprünglich in geänderter Form als Marktwappen bestätigen.

Bereits 1697 veräußerte das Hochstift Bamberg die "Wildensteinische Herrschaft" an den Würzburger Domprobst und Bamberger Domdechanten Carl Friedrich Freiherrn Voit von Rieneck zu Trun- und Traustadt, der bereits 1690 mit den Herren von Wildenstein in Kaufverhandlungen gestanden hatte.

Es wird vermutet, dass die Voit von Rieneck die im Frankenwald liegende "Wildensteinische Herrschaft" nur deswegen kauften, um ihre mainfränkischen Besitzungen zu vergrößern und ihrem Antrag auf Erhebung in den Grafenstand beim Kaiser mehr Gewicht zu verleihen.

Die Rechnung ging scheinbar auf, denn bereits 17 Tage nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages zwischen dem Hochstift Bamberg und Carl Friedrich Freiherrn Voit von Rieneck wurde dieser, durch Kaiser Leopold I., am 27. Oktober 1697 für seine Person und demjenigen in der Familie, der jeweils in das von ihm errichtete Fideikommiß nachfolgt, in den Reichsgrafenstand erhoben.

Der neue gräfliche Grundherr und hohe katholische Würdenträger verlegte den Sitz des "Wildensteinischen Halsgerichts" von Presseck nach Heinersreuth in das dortige auf die Herren von Wildenstein zurückgehende Schloss und ließ seinen Frankenwaldbesitz durch Amtsverweser verwalten. Die Eigenbewirtschaftung der Rittergüter in Schlopp und Elbersreuth wurde aufgegeben und ein Teil der Gebäude und der gesamte Feldbau an geeignete Lehensleute zu Erblehen gegeben, wodurch die in Schlopp und Elbersreuth heute noch so genannten Schlossgüter entstanden.

Die Zeit der Grafen Voit von Rieneck war von Anfang an in Presseck durch Rekatholisierungsbestrebungen gekennzeichnet. Nachdem die Einführung eines Simultaneums in der Pressecker Pfarrkirche (die gemeinsame Kirchenbenutzung durch beide Konfessionen) nicht durchzusetzen war, scheiterte 1772 auch der Versuch, auf dem Pressecker Marktplatz ein katholisches Kirchlein zu bauen, am Widerstand der überwiegend protestantischen Ortsbewohner.

Immerhin sorgte der 2. Graf Philipp Carl Manfried Voit von Rieneck durch eine katholische Schulstiftung dafür, dass die Kinder seiner katholischen Untertanen in Presseck durch einen Lehrer ihres Glaubens unterrichtet werden konnten. Der erste kath. Lehrer in Presseck lässt sich 1706 nachweisen, als Schulhaus diente das ehemalige Gerichtsschreiberhaus am Marktplatz (heutige Hausnummer Marktplatz 12).

Die Verbesserung der Bodenbewirtschaftung im 18. Jh., verbunden mit der Einführung des Kartoffelanbaues und das Aufkommen der Hausweberei im Frankenwald, die mit der Nutzung der Baumwolle einherging, ließ die Bevölkerungszahl rasch ansteigen. Damals entstanden in den größeren Ortschaften des Herrschaftsbereiches die vielen kleinen Weberhäuschen, die so genannten Tropfhäuser, deren Grundbesitz mit der Dachtraufe (Trüpf) endet.

Das strengste Regiment der Herrschaftsergebenen Amtsverweser in Heinersreuth wird deutlich durch die Sage vom Siebenfreund (richtig: Siebenfreud), dem die geplagten Untertanen die Grabesruhe missgönnten und ihn als Gespenst am Ort seines Wirkens umhergeistern ließen.

Im bambergischen Amt Wartenfels gab es keine Religionsstreitigkeiten. Die wirtschaftliche Entwicklung des 18. Jhs. wird aus einigen Angaben der Zeittafel für Wartenfels deutlich: 1711 wurde vom Bergamt Wartenfels mit dem Abbau von Kupfererz an der Hammerleite (Kupferleite, gegen Rugendorf gelegen) begonnen; auch Gipsbrüche werden um diese Zeit erwähnt. 1790 entstand in Wartenfels ein Alaunwerk und vorübergehend wurde Tinte fabriziert. Doch dürften Kupferschmelze, Alaun- und Tintenfabrikation nur von kurzer Dauer gewesen sein, denn 1801 wird über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Pfarrdorfes Wartenfels im Geogr.-Statist.-Topogr. Lexikon von Franken folgendes vermerkt: "Die Papiermühle hat mit dem Beigeschirr 7 Stampflöcher und einen Holländer (Maschine zur Rohstoffzerkleinerung vor der Breibereitung). Wegen der geringen landwirtschaftlichen Eigenerzeugung muss Schlachtvieh und Getreide zusätzlich eingeführt werden. Die Einwohner nähren sich teilweise von Land- und Forstwirtschaft, vom Taglohn oder der Baumwollspinnerei."

Bayerische Landgemeinden werden gebildet
Das Territorium des Hochstifts Bamberg wurde im September 1802 von Kurbayern annektiert und von pfalzbayerischen Truppen besetzt. Kurze zeit später, im Dezember 1802, wurden auch im reichsritterschaftlichen Gebiet der Grafen Voit von Rieneck unter Trommelwirbel die Wappen des Kurfürstentums Bayern angeschlagen.

Zwar konnte der Graf von Rieneck im Januar 1804 nach langem Streit die Unabhängigkeit seines widerrechtlich besetzten Herrschaftsbereiches für knapp zwei Jahre wiedererlangen, bis schließlich im Preßburger Frieden vom Dezember 1805 Bayern die Königswürde mit voller Souveränität erhielt. Das Pressecker Gebiet wurde demzufolge zwei Jahre später bayerisch als das ehemalige bambergische Amt Wartenfels mit seinen Ortsteilen.

1806 begann die Zeit der bayerischen Verwaltungsreform. Die hohe Gerichtsbarkeit der Herrschaftsgerichte in Heinersreuth und Wartenfels ging an das königlich bayerische Landgericht Stadtsteinach über. Für die freiwillige Gerichtsbarkeit (Beurkundung privatrechtlicher Angelegenheiten usw.) sowie für die Ortspolizei und Gemeindeaufsicht blieb im rieneckischen Gebiet das Patromonialgericht I. Klasse in Heinersreuth noch für längere Zeit zuständig. Diese gutsherrliche Gewalt bestand noch 1823, als König Max Joseph von Bayern das nunmehr so genannte "Rittermannslehen Heinersreuth" an seinen Finanzminister Freiherrn Maximilian von Lerchenfeld verlieh, weil das Geschlecht der Voit von Rieneck 1823 erlosch und deren Besitz an die bayerische Krone gefallen war. Die bayerischen Landgemeinden wurden 1818 gebildet, nachdem die bayerische Regierung am 17. Mai dieses Jahres ihr erstes Gemeindeedikt erlassen hatte. Im Pressecker Gemeindegebiet entstanden Gemeinden und Gemeindeteile.




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