Rathaus Bad Steben

Das Bad Stebener Rathaus ist so wie der ganze Ort sehr geschichtsträchtig. Wann das Gebäude erbaut wurde, ist leider nicht bekannt.

Zur Zeit des Bergbaus in unserer Region war es das "Geschworenen Gut".
Hier wohnte der Berggeschworene, der die in Steben vorhandenen Gruben und Zechen verwaltete.
Um den Geschworenen auch in schlechten Zeiten ein Auskommen zu garantieren, konnte er Vieh halten und Feldwirtschaft betreiben.


Im November des Jahres 1793 eröffnete Alexander von Humboldt in diesem Gebäude ohne Wissen der ihm vorgesetzten Beamten die Bergschule zu Steben. Mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldete er die königlich freie Bergschule beim königlichen Oberbergdepartment an. Am 22. Juni desselben Jahres wurde der hier ansässige Berggeschworene Georg Heinrich Spörl als königlicher 1. Berglehrer angestellt und als solcher vom König patentiert. Somit wurde hier die weltweit erste Berufschule installiert und mit Georg Heinrich Spörl der erste Berufsschullehrer von Amtswegen ernannt. Laut alter Überlieferungen befand sich das Klassenzimmer wahrscheinlich im südlichen Teil des Gebäudes, da berichtet wird, der Unterrichtsraum befand sich im großen hellen Zimmer des Berggeschorenen Spörl.

Nachdem 1796 das Bergamt von Naila hierher verlegt wurde, zog auch die Bergschule in das jetzt als "altes Bergamt" bezeichnete Gebäude, in der Badstraße um.

Im Jahre 1823 wurden im heutigen Rathaus durch den Berggeschworenen Spörl und dem hier ansässigen Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Da erst im Jahre 1838 mit dem Klenzebau das erste Badegebäude in Steben errichtet wurde und es nur Badewirte gab, nimmt man an, dass diese Moorbäder bis zur Fertigstellung des Klenzebaus hier im jetzigen Ratskeller abgegeben wurden. Somit gehört Bad Steben wohl auch zu den ältesten bayerischen Moorbädern.


Als der Bergbau in der hiesigen Gegend um 1856 zum erliegen kam, wurde das Anwesen verkauft. Es wurde ein Fabrikgebäude, die sogenannte Appels Spielwarenfabrik.

Nachdem diese schloß, zogen mehrere Ortsbürger in das Gebäude. Es war auch die Wohnung des Polizisten hier am Ort, dem sogenannten "Wachvaterle".


Weiter befand sich im heutigen Ratskeller noch die Freibank, in welcher sich die Einwohner notgeschlachtetes Vieh günstig kaufen konnten.


1928 kaufte die Gemeinde Bad Steben das Gebäude und richtet hier das Rathaus ein.

 

Zusammenstellung der Texte von Rolf Drechsel

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