22.04.2017

von JD-B° RB

Im Schnelldurchlauf an der Realität vorbei?

Beruf und Karriere: Viele Personalleiter sind unzufrieden mit den Uniabsolventen

Personalexperten befürchten, dass aufgrund von Ausbildungsverkürzung und Lernstoffverdichtung praktische Kompetenzen und Reife bei den Studenten zu wünschen übrig lassen

Am Anfang war Begeisterung: Unternehmen setzten vor 14 Jahren große Hoffnungen in die sogenannte Bologna-Reform an den Universitäten. Studenten sollten dem Arbeitsmarkt dank Bachelor und Master schneller zur Verfügung stehen - doch inzwischen ist die Ernüchterung groß. Immerhin 32 Prozent der deutschen Personalleiter gaben an, dass ihre Zufriedenheit mit den Absolventen gesunken sei. Besonders enttäuscht über die mangelnden Kompetenzen von Berufsanfängern sind große Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und mehr. Diese Ergebnisse brachte eine Umfrage des Ifo-Instituts und des führenden Personaldienstleisters Randstad. 

Brücken zwischen Theorie und Praxis


Am kritischsten wird der Master-Abschluss gesehen. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass die Zufriedenheit mit dem entsprechenden Leistungsniveau in den letzten Jahren gesunken sei. Allgemein die größten Defizite bei den Uniabsolventen sehen die Personalleiter bei der Selbstständigkeit, der Problemlösungskompetenz, dem Abstraktionsvermögen sowie der Allgemeinbildung. Die Ausbildung an der Uni wird insgesamt als zu verschult eingeschätzt. Der Lerndruck auf Studenten sei hoch, die Möglichkeiten, sich im Studium auszuprobieren und spannende Themen für sich zu entdecken, dagegen begrenzt. 

"Wirtschaft und Wissenschaft müssen gemeinsam daran arbeiten, Brücken zwischen Theorie und Praxis zu schlagen", meint beispielsweise Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad. Vielleicht sei es an der Zeit, den schwer durchschaubaren Wust an Studiengängen auf Effektivität zu prüfen und sich zu fragen, ob die allgemeine Akademisierung von Ausbildung nicht am Bedarf vorbeigehe. "Dazu gehört auch, die Lehrpläne regelmäßig kritisch zu überprüfen, sodass sich neue relevante Inhalte schneller dort wiederfinden. Hier ist ein aktiver Dialog wichtig", rät Bolder.

Duales Studium als Option

Eine Option, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, ist etwa das duale Studium. Ausbildung und erste Erfahrungen im Job sind hier aufeinander abgestimmt. Der Vorteil: Studenten merken schnell, ob sie für den eingeschlagenen Berufsweg geeignet sind oder nicht - und das nicht erst nach ihrem Abschluss. "Wissen und Praxis müssen in der Ausbildung Hand in Hand gehen, und das nicht zu Lasten der Studenten. Sonst verlieren sie ganz schnell die Freude an ihrem Fach", warnt Andreas Bolder. Und die Wirtschaft benötige junge Menschen, die mit Begeisterung ihren Beruf ausüben.

Passend zum Thema

Beruf/Karriere: Ausbildung zum Fachinformatiker hat Zukunft

Schwimmbadbauer haben sehr gute Berufsaussichten

Beruf/Karriere: Seniorenwohnanlagen bieten vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten

Mehr aus der Rubrik

Damit ein Smartphone-Hersteller weiterhin den Markt dominieren kann, ist nur eines wirklich gefragt: Innovationen und Neuerungen!

Der Schreibtisch ist voll, aber die Augen fallen immer wieder zu – fast jeder zweite Deutsche klagt über allgemeine Müdigkeit am Arbeitsplatz

Job/Karriere: CAD-Experten sind in Produktdesign und Herstellung unentbehrlich

Teilen: