St. Thomas in Wallenfels im Frankenwald

St. Thomas in Wallenfels im Frankenwald

Durch das Kronacher Urbar von 1507 erfahren wir, daß damals bereits ein Pfarrhaus bestand und wohl auch eine Kapelle oder ein Raum für kirchliche Versammlungen. Waldenfels war zu dieser Zeit Filiale der 1430 gegründeten Pfarrei Steinwiesen. 1544 erhielt Waldenfels das Begräbnisrecht um seine Kirche. Am 16. Dezember 1549 wurde Waldenfels selbständige Pfarrei. Nachdem die Kirche im Markgräflerkrieg niederbrannte wurde sie neu aufgebaut. Über diese Kirche liegt eine Beschreibung aus dem Jahr 1623 vor, in der es unter anderem heißt: "Die Kirche ist zu Ehren des hl. Thomas geweiht, hat zwei Altäre, aber man weiß nicht, zu wessen Ehre sie konsekriert sind. Sie hat drei Glocken und eine Uhr. Auch ein Taufstein ist vorhanden. Die Bewohner sind wieder alle katholisch; es gibt 409 Personen beiderlei Geschlechts, die die erste hl. Kommunion empfangen haben."

1629 wird mitgeteilt, daß diese Kirche sehr baufällig ist. Wenige Jahre später wurde diese Kirche beim Einfall der Schweden in den Jahren 1633 und 1643 zweimal ein Raub der Flammen. Trotz der Kriegszeit erfolgte der Wiederaufbau und schon 1936 schreiben Bürgermeister und Rat nach Bamberg, daß die Kirche unter Dach ist, aber noch viele Mängel aufweist. Die Kirche konnte in der Zeit nach dem Schwedenkrieg aus finanzieller Not nicht sehr stabil gebaut werden. Das Protokoll der Pfarrvisitation von 1689 berichtet, daß viele Mängel an der Kirche zu verzeichnen sind. Es mußten viele Reparaturen im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts vorgenommen werden. 1741 wurden die zwei kleinen Glocken wie auch die große Glocke um- und gößer gegossen, und zwar von 301 Pfund auf 409 Pfund. 1754 ist die Kirchenmauer eingefallen; sie wurde vom 17. April bis 19. Juni 1755 neu aufgebaut. Zur Errichtung wurden 1.850 Quadersteine benötigt.

Während Pentowsky, der 1830 als Pfarrer nach Wallenfels kam, sich trotz tatkräftiger Unterstützung durch den Landrichter Desch vergebens um den Neubau einer Pfarrkirche bemühte, gelang endlich in der Amtszeit des Pfarrers Balthasar Eschbach der Neubau eines schönen großen Gotteshauses. Nachdem im unteren Pfarrgarten eine Notkirche aus Holz errichtet war, wurde die zu kleine Kirche eingerissen, der dahinter liegende Berg abgetragen, um einen größeren Platz zu gewinnen, und noch im winterlichen Frühling 1861 mit dem Bau begonnen. Am 28. Mai konnte man bereits die Grundsteinlegung vornehmen und am hl. Weihnachtsabend war die Kirche ihrer äußeren Form nach vollendet. Die feierliche Einweihung fand am 25. August 1869 durch den Erzbischof Michael v. Deinlein statt.

Der Bau des neuen Gotteshauses wurde ermöglicht durch eine großzügige Spende des Bartholomäus Behrschmidt, Junggeselle von Wallenfels, in Höhe von 15.000 fl (ca. 25.700 Mark). Auch die Gemeinde hat für den Ausbau und die innere Einrichtung der Pfarrkirche einen Zuschuß von 4.000 fl (fl = Gulden) geleistet und die Pfarrkinder haben auch ihr Scherflein beigetragen. 1863 wurde die von Uhrmacher Thomas Hollweg in Nürnberg gefertigte Uhr auf dem neuen Kirchturm eingerichtet. An Stelle des bisherigen Beinhauses wurde 1877 ein Leichenhaus mit Sezierzimmer und Aufenthaltsraum für den Leichenwärter gebaut, welches am 22. Dezember 1878 durch den Pfarrer Pankraz Hümmer seine Einweihung erfuhr. In den 90er Jahren erfuhr unsere Pfarrkirche eine nennenswerte Renovierung und Ausschmückung. 1896 wird sie durch Johann Jägg aus Kronach neu getüncht und ausgemalt durch den akademisch gebildeten Bildhauer Stengel aus Staffelstein. Zwei Tage vor Fronleichnam 1897 kam der Muttergottesaltar aus der Werkstätte Stengels zur Aufstellung. Der Auferstehungsaltar ist eine Stiftung der Landwirtswitwe Barbara Gareis. Zu Weihnachten 1896 wurden die aus der Glasmalerei von Schmitt und Postek in Bamberg gelieferten Fenster des Chors auf Kosten der Konditorseheleute Andreas und Margareta Will eingesetzt. 1899 wurde vom Floßholzhändler Andreas Müller das St. Maria und St. Anna darstellende Glasfenster gestiftet, 1907 von den Glasermeisterseheleuten Thomas und Justina Stöcker die beiden Kirchenfenster über den Seitentüren. Bei Missionsschluß am 02. September 1894 wurde die Lourdesgrotte, ebenfalls eine Stiftung der Witwe Gareis, mit einer vom Bamberger Bildhauer Dorsch aus Abensberger Marmor gefertigten Marienstatue eingeweiht.

Im Jahr 1953 erfolgte eine weitere größere Innenrenovierung, nachdem bereits 1949 vier neue Glocken angeschafft worden waren. Diese sind dem heiligsten Herzen Jesu, der Muttergottes, dem hl. Josef und dem hl. Thomas geweiht. Im September 1963 erfolgte der Einbau einer Warmwasserheizung. Außerdem wurden neue Kirchenbänke angefertigt und aufgestellt. Im Januar 1964 ging es an den Umbau des Altarraumes. Chor und Sakristei wurden mit Platten aus Jura-Marmor belegt. Im Oktober 1968 konnte mit dem Abbruch der alten und dem Aufbau einer neuen Orgel begonnen werden. Im Gotteshaus herrschte turbulentes Treiben, denn in 14 Tagen sollte dieses große Werk erstellt sein. Am Christkönigsfest, dem 27. Oktober 1968, erfolgte verbunden mit einer kirchenmusikalischen Andacht, die feierliche Weihe der neuen Orgel. Im Jahr 1982 erfolgte die Außenrenovierung der Stadtpfarrkirche. Im Jahr 1994 wurden wiederum umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Stadtpfarrkirche durchgeführt. So wurde die Lourdesgrotte restauriert, ein behindertengerechter Eingang geschaffen, ein neuer Innenanstrich ist erfolgt und der Schriftenstand wurde erneuert. Im Juli 1994 wurde das Turmkreuz abgenommen, da der Holzschafft morsch war und das Kreuz dadurch in Schräglage geriet. Bis zur Ausbesserung dieses Mangels wurde ein Holzkreuz auf dem Turm angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Zifferblätter der Kirchturmuhr erneuert.

Innenansicht St. Thomas in Wallenfels im Frankenwald
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