Heunischenburg bei Kronach

Rekonstruktion der Befestigung Heunischenburg bei Kronach

Einige Kilometer westlich von Kronach kann man ein bedeutendes archäologisches Denkmal besichtigen. Die unter dem Namen „Heunischenburg“ bekannte vorgeschichtliche Befestigungsanlage stammt Funden zufolge aus dem 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus!
Die Anlage diente vermutlich der Sicherung von Handelswegen und als Vorposten der Mittelpunktsiedlung auf dem großen Gleichberg bei Römhild (Thüringen, ca. 70 km westlich).Zu besichtigen ist die authentische Rekonstruktion der Torgasse mit Ausfallpforte und hölzernem Turm.

In den Jahren 1983 bis 1986 führte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, Archäologische Außenstelle für Oberfranken, im Bereich des kräftigen, steinernen Abschnittswalls und der Toranlage der etwa 1,5 ha großen Heunischenburg mehrere Ausgrabungen durch, die vom Arbeitsamt Coburg, dem Landkreis Kronach und der Oberfrankenstiftung finanziert wurden.
Im Zuge der Ausgrabung konnten drei Perioden nachgewiesen werden. Bei der ersten Periode handelt es sich um eine Holzerde-Befestigung und bei der zweiten Periode um eine Sandsteinmauer, die wahrscheinlich bei einer kriegerischen Handlung völlig abgebrannt war. Beide Perioden lassen sich in das 10. Jahrhundert v. Chr. datieren.

Als außergewöhnlich ist der Aufbau der dritten Periode zu bezeichnen. Die mächtige Wehranlage war auf ihrer nach Nordosten gerichteten Flanke durch eine dreischalige 2,6 m breite, 3,5 m hohe und 110 m lange Mauer aus zyklopischen Sandsteinen geschützt. Ihr hatte man eine 3,5 m breite Berme vorgelagert. Im zangenartig verlaufenden Torbereich setzte sich die Mauer der inneren Torflanke nur einschalig fort. Die äußere, auf den Hang aufgesetzte Torflanke erreichte dagegen eine Breite von 2 m und ging nach 55 m in eine hölzerne Umwehrung über, welche die ganze Befestigung umschlossen haben muss. Am Beginn der inneren Torflanke lag eine 1 m breite Pforte mit einem vorgesetzten hölzernen Turm. Hierbei handelt es sich um eine Art Poterne, wie man sie vom mediterranen Burgenbau kennt. Die eindrucksvolle Steinmauer und die komplizierte Toranlage mit der Pforte machen die Heunischenburg zu einer der qualitätsvollsten Wehranlagen der ausgehenden Bronzezeit in Mitteleuropa.

Die zahlreichen Bronzefunde südwestlicher Provenienz sowie mehrere 14C-Untersuchungen datieren unsere Befestigung in die späte Urnenfelderzeit. Demnach muss die Periode III in das 9. Jahrhundert gestellt werden.
Von den Bronzefunden gehören über 70 Prozent zur Bewaffnung, wodurch die Wehrhaftigkeit unserer Befestigung noch einmal betont wird. Die wertvollsten Funde sind eine Lanzenspitze mit Kupfer- und Eiseneinlage und das Bruchstück eines Bronzepanzers. Bei beiden dürfte es sich um die Bewaffnung eines vornehmen Kriegers gehandelt haben.
Die mächtige, aber kleinräumige Befestigung und die vielen Waffenfunde heben unsere Heunischenburg deutlich von den großen, befestigten Mittelpunktsiedlungen der ausgehenden Bronzezeit wie dem Großen Gleichberg in Thüringen, dem Bullenheimer Berg und dem Großen Knetzberg in Unterfranken und wohl auch der Ehrenbürg in Oberfranken ab. Im Gegensatz zu ihnen vermittelt die Heunischenburg den Eindruck einer starken militärischen Anlage, die man zur Kontrolle einer Straße angelegt hatte, die zu den Kupfer- und Zinnlagerstätten im Fichtelgebirge führte.

Mehrere durch Einschuss verbogene Pfeilspitzen, die im Kampf beschädigten Schwerter und Lanzenspitzen sowie die Brandspuren an der Befestigung zeigen, dass die Anlage im Zuge einer kriegerischen Handlung untergegangen ist.

Die kulturhistorische Bedeutung der Heunischenburg und vor allem ihre außergewöhnliche wehrtechnische Konstruktion ließ den Wunsch entstehen, einen Teil der Mauer und die Toranlage nach gesicherten Befunden wieder aufzubauen. Der erste Abschnitt wurde bereits 1986 mit den Originalsteinen errichtet. Im Jahre 2000 konnten wir dann die Rekonstruktion in einem zweiten Bauabschnitt zu einem gelungenen Abschluss bringen. Diese Maßnahme wurde durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Oberfrankenstiftung, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sowie den Landkreis und die Stadt Kronach finanziert.
Der Besucher gewinnt nun einen anschaulichen Eindruck einer endbronzezeitlichen Befestigung mit ihrer außergewöhnlichen Torkonstruktion. Der starke Besucherstrom, vor allem von Schulklassen, aber auch von historischen Vereinen und Fachverbänden, hat schon jetzt die aufwändige Rekonstruktion gerechtfertigt.

Rekonstruktionen von Periode III, Mauer und Tor der Heunischenburg bei Kronach
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