Festungsmauer der Festung Rosenberg

Kleine Wallbrücke der Festung Rosenberg in Kronach im Frankenwald

Historische Wallmauer der Festung Rosenberg in Kronach

Öffnungszeiten der Festung Rosenberg:
Täglich außer Montags
April-Oktober: 9.00 Uhr – 18.00 Uhr
November-März: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr

Kontakt:
96317 Kronach
Tel: 0 92 61 / 6 04 10
Fax: 0 92 61 / 60 41 18

Für die staatliche Denkmalpflege ist der Umgang mit historischen Wallmauern besonders problematisch, denn weder Untersuchungsmethoden noch Wissen über die historischen Bauweisen sind bislang ausreichend geklärt.

Diese sind aber notwendig, um das historische Erbe zu erhalten. Circa 200 historische Wallmaueranlagen sind in Deutschland als Festungs- oder Stadtmauern noch erhalten, viele davon in ruinösem Zustand.

An den Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach soll exemplarisch die Konstruktion untersucht werden, da sie in verschiedenen Konstruktionsweisen errichtet wurden.

Die ca. 100 jährige Bauzeit (ca. 1656 - 1750), sowie die besondere topographische Lage (an einem Bergsporn) verursachten eine außergewöhnliche Vielfalt an konstruktiven Lösungen und zeitgenössischen Reparaturen, die heute zu verschiedenen Erhaltungszustände geführt haben.

So sind manche Mauerabschnitte als einfache Felskernverkleidung ausgebildet, andere dagegen wurden als bis zu 25m hohes freistehendes zweischaliges Quadermauerwerk mit verschiedenen Hinterfüllungen und innerem Gangsystem errichtet.

Die Baugeschichte der Wallmauern ist in großen Zügen bekannt. Aus verschiednen Gründen wurde es nötig, im 17. Jahrhundert eine neue Wehranlage um die alte mittelalterliche Burganlage zu errichten. Zuerst wurden Erd- und Holzbastionen errichtet und es entstand eine mehrseitige Mauer-/Grabanlage, die nur in historischen Abbildungen überkommen ist.

Trotz erfolgreicher Abwehr des Feindes im 30 jährigen Krieg fing man im Jahr 1656 mit der Konstruktion des heutigen Kernpentagons an. Zuerst wurde mit Bastion 2 begonnen, der Grundstein im Juni 1656 gelegt und der Bau innerhalb von 2 Jahren 1658 vollendet. Ein Jahr später, im April 1659 wurde der Grundstein für Bastion 4 gelegt, der 1663 immer noch im Bau war.

In dieser Zeit wurde ebenfalls Bastion 3 errichtet, die aber aus unbekannten Gründen einstürzte und 1699 ergänzt werden mußte. Somit war die Hauptangriffsseite im Norden innerhalb von acht Jahren mit einer neuen Verteidigungstechnologie ausgebaut.

Gleichzeitig hatte man im Süden, an der der Stadt zugewandten Seite der Festung mit dem Tor begonnen. Neben dem Verteidigungszweck war auch die repräsentative Wirkung der Festung auf die Stadt von großer Bedeutung.

Erst ein Jahr später im Oktober 1663 wurde mit Bastion 1 begonnen. Bevor man mit dem Bau von Bastion 5 beginnen konnte, stürzte die Südface von Bastion 4 im März 1668 ein. Mangelnde Kenntnis oder Einschätzung der zerstörerischen Kraft des ansammelnden Regenwassers im Inneren der Wallmauern verursachte den Einsturz.

Schon vor der Erneuerung von Bastion 4 im Jahr 1693 durch ein ausgeklügeltem Entwässerungssystem schloß man die Lücke des Kernpentagons mit Bastion 5, die 1689 vollendet wurde.

Erst ein halbes Jahrhundert später, wurde unter der Leitung des berühmten barocken Baumeisters Balthasar Neumann das Kernpentagon durch weitere Vorwerke im Norden verstärkt. 1741 bis 1743 errichtete man die Contregarde Carl. Die verschiedene Bauzeiten sind sowohl in der veränderten Mauertechnik als auch in der Architektur zu erkennen.

Zehn Jahre später wurden unter der Leitung von Johann Jacob Küchel beidseits des Contregardes weitere Verteidigungseinrichtungen und Graben gebaut - Ravelin Anton und Waffenplatz Philipp. Zum Schluß wurde Waffenplatz 8 in ähnlicher Konstruktionsweise östlich von Ravelin Anton errichtet.

Ungewöhnlich für barocke Quadermauern ist das Vorkommen von Steinmetzzeichen. Diese im Mittelalter und der früheren Neuzeit verwendete Bezeichnung einzelner Quader (zwecks Abrechnung?) findet man gelegentlich auch an Bauten des 16.Jhs. Je nach Häufigkeit und Verteilung können sie in günstigsten Fällen Informationen über den Baufortgang während der Errichtung geben. An ca. 10% der Quader der Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach, findet man diese kleinen (ca. 5 bis 10 cm große) Zeichen.

Die Erfassung, d.h. die Feststellung ihrer räumlichen Lage und ihre Charakterisierung ist an der Festung seit Januar 2002 im Gange.

Quelle und Danksagung:

Herr Prof. Dr. Philip S. C. Caston
 

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