Geschichte von Guttenberg

Chronik der Gemeinde Guttenberg

Die Geschichte der Gemeinde Guttenberg ist eng verknüpft mit der Geschichte der Guttenberger Adelsfamilie. Sie war seit der Gründung bis 1848 die prägende Kraft der Gemeinde und ihrer Bewohner.

1148
wurde erstmals ein Familienmitglied derer von Guttenberg erwähnt. Es war Gundeloh von Plassenberg, ein Ministerialer des Grafen Berthold von Andechs auf der Plassenburg ob Kulmbach.

1250 konnte das Gebiet zwischen Untersteinach und Neuensorg von den Walpoten, einem ehemals bedeutsamen Geschlecht gekauft werden, weil diese aufgrund ihres Machtverfalls zum Verkauf gezwungen waren.

Der Name Guttenberg wird auf den Walpotennamen „Cotto“ zurückgeführt.

Die Guttenberger Adelsfamilie versuchte hartnäckig, in Untersteinach ihr Herrschaftszentrum zu errichten. Das Vorhaben scheiterte jedoch, weil Untersteinach für die Mächtigeren schon damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war.

1315
wurde der Name Plassenberg abgestreift und der bereits bestehende Ortsname Guttenberg als Familienname übernommen. Der Ort dürfte damals aus einem Einzelhof oder einer kleinen Siedlung bestanden haben. Die früheste bekannte Aussage spricht von den „Leuten am Berg“.

Damals wurde auch die Burg Guttenberg erbaut, die bis 1342 mit einem Öffnungsrecht für den Bamberger Bischof und danach für den Markgrafen von Kulmbach belastet war. Erbauer der Burg war Heinrich von Plassenberg, der den Besitz aller bisherigen Familienlinien auf sich vereinigen konnte. Er gilt als der Stammvater aller von Guttenberg zu Guttenberg.

Der Grund für die Wahl des Burgplatzes dürfte die Schutzlage auf bergiger Höhe über dem Zusammenfluß zweier Bäche, umgeben von notwendigen großen Waldgebieten, mit guter Fernsicht gewesen sein.

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wird das Dorf Guttenberg mit 16 Höfen erstmals erwähnt. Weil die Guttenberger nicht mehr nach Untersteinach in die Kirche laufen wollten, wurde 1442 die Pfarrei Guttenberg gegründet, nachdem lange Verhandlungen und auch Streit mit den Pfarrherren zu Untersteinach und dem Bischof von Bamberg vorausgegangen waren. Eine Kapelle war  bereits seit dem Jahr 1379 unter dem Schloss  errichtet worden,  die später durch mehrere Umbaumaßnahmen zur Sankt Georgskirche vergrößert wurde und Ende des 18. Jahrhundertes an gleicher Stelle neu errichtet wurde.

1444
bekam die Adelsfamilie von König Friedrich III. schriftlich das Privileg eines eigenen Halsgerichtes. Damit verbunden war auch das Recht, Todesurteile auszusprechen und zu vollstrecken, was der bei der Schlossmühle stehende Galgen bewies.


1482
Der Bau der Burg Neu-Guttenberg mitten in den Hof der Burg Alt-Guttenberg hinein führte zu großen Streitigkeiten. Denn, mindestens zwölf Personen hatten damals Anteile am Eigentum der Burg. Dennoch siedelten sich weitere Angehörige der Adelsfamilie in der Guttenberger Gemarkung an und bauten Bauernhöfe wie Maierhof, Breitenreuth, Streichenreuth, Pfaffenreuth und Triebenreuth zu Adelssitzen aus.

Eingesprengt in die Territorien der Markgrafschaft Bayreuth und des Hochstifts Bamberg, stellten die zahlreichen fränkischen Adelssitze als dritte Kraft einen Dorn im Auge der Großen dar.

1490
wurde die Burg Alt-Guttenberg vom Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach besetzt, weil ihm der Bau der Burg Neu-Guttenberg zu bedrohlich erschien. Philipp von Guttenberg hatte aber bereits vorher sein Schloss durch seinen Dienstherrn, Georg von Bayern, besetzen lassen.

Damit war die Adelsfamilie von ihrem Besitz verdrängt. Sein Ziel, die ritterschaftliche Herrschaft seinem Territorium einzuverleiben, erreichte der Markgraf jedoch nicht.

1503
kam es zu einem Ausgleich und die Guttenberg bekamen ihre Güter wieder zurück. Die zentrale Frage ob ritterschaftliche Familien unabhängig bleiben konnten, war aber noch lange nicht geklärt.

1523
wurden die Burgen Alt- und Neu-Guttenberg von den Horden des Schwäbischen Bundes vollends zerstört. Holzschnitte dokumentieren dieses Ereignis.


1525
In den Bauernkriegen wurden noch die letzten Reste dem Erdboden gleichgemacht. In dieser Phase der Demütigung des ritterlichen Adels mußten sogar die oft bis zu 800 Schafe zählenden Schlossherden als Beutegut herhalten. Eine Abbildung aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beweist, daß die Burg Neu-Guttenberg nach der Neuerrichtung ein völlig anderes Aussehen hatte.

1528
Um einer Einverleibung durch die Fürsten entgegenwirken zu können, entschloß man sich, der „Freien Reichs-Ritterschaft Landes zu Franken“ beizutreten. Daher rührt auch der noch heute gültige Namensteil Reichsfreiherr. Gegen entsprechende Geldzahlungen sicherte der Kaiser nämlich Schutz gegen fürstliche Übergriffe zu.

1555
Während der Reformation wurden die Guttenberg evangelisch, denn sie konnten dadurch ihren Pfarrer selber bestimmen und auch in den Fällen des Zinswuchers und der Ehescheidung die eigene Kirchengerichtsbarkeit ausüben. Es konnte mit dieser Entscheidung ein großer Machtgewinn erreicht werden.

1570
Aus alten Unterlagen ist ersichtlich, daß das Dorf und seine unmittelbare Umgebung neben den Bauern folgende Gewerbe aufzuweisen hatte:
Drei Schankstätten mit Braugerechtigkeit, die Mühle unterhalb des Schlosses, Schneider, Wagner, Schmied und Zimmermann. Es darf angenommen werden, daß auch Bäcker und Metzger vorhanden waren.
Die Bauern hatten für die Bewirtschaftung des Grund und Bodens auf dem sie saßen, an die „Herrschaft“ Geld- und Naturalgaben zu zahlen.
Vogt, Förster und Pfarrer wachten als herrschaftliche Beamte über die Einhaltung der erlassenen Gebote und Verbote.

1631
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde Alt- und Neuguttenberg von kaiserlichen Truppen wieder zerstört. Das Dorf selbst wurde nicht in Brand gesteckt.

1661
war der Neubau des Schlosses durch Georg Enoch von Guttenberg bereits abgeschlossen und hieß von jetzt an nur noch Schloss Guttenberg, weil das Schloss Alt-Guttenberg nicht mehr errichtet wurde.

1778-1782

Im 18. Jahrhundert wurde die Adelsfamilie wieder katholisch, das Dorf selber blieb evangelisch. Es wurde deshalb an das Schloss eine Kapelle angebaut und der Turm erhöht. Die Schlossherren versuchten zielstrebig immer mehr katholische Bürger im Ort anzusiedeln.

1803
erhielt Franz Wilhelm Freiherr von und zu Guttenberg die Aufforderung zum Untertaneneid zugunsten von Kurfürst Maximilian Josepf IV. von Bayern, welche dieser jedoch nicht unterschrieb und unausgefüllt zurückschickte. Daraufhin wurde dem Widerborstigen der Besitzentzug angedroht.


1848
Nachdem Guttenberg bayerisch, preußisch, französich und dann wieder bayerisch war, wurde in Folge der Revolution von  das Herrschaftsgericht Guttenberg aufgelöst. Damit ging auch die prägende und herrschende Stellung der Familie Guttenberg für das Dorf zu Ende. Die Guttenberger Einwohner waren nun allein Untertanen des Königs von Bayern.

Die Güter, die sie vorher gewissermaßen zur Pacht innehatten, mußten sie gegen jährliche Ratenzahlung an den Staat erst langsam erwerben. Die Lebensumstände der Bevölkerung waren äußerst einfach und rauh, ohne die geringste Spur von Luxus.

Die Landgemeinde Guttenberg war nachweislich eine der ärmsten in ganz Oberfranken.

Besonders dem sozial engagierten evang. Pfarrer Popp war es zu verdanken, daß mit der Gründung eines Industrievereins, der sich zunächst der Fertigung von Haartappen widmete, innerhalb von 2 Jahren ca. 60 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Mit 1145 Einwohnern hatte man 1875 den Höchststand erreicht.

1896
wurde in 80% der Haushalte Hausweberei betrieben. Große Absatzschwierigkeiten führten in den Folgejahren jedoch zu einem starken Rückgang und neuer Not, weshalb immer mehr Einwohner wegzogen und die Einwohnerzahl bis zur Jahrtausendwende auf 719 sank.

Im 19. Jahrhundert wurde eine ganze Anzahl von Vereinen wie z.B. der Ackerbauverein, der Kriegerverein, der Turnverein, der Obst- und Gartenbauverein und die Freiw. Feuerwehr Guttenberg 

1908
In der Nacht des Karfreitags im Jahr 1908 brannte das ganze Schloss ab. Zweifelsohne entstand der Brand in der Sakristei der Schlosskirche. Schloss und Schlosskirche brannten völlig aus. Der Wiederaufbau in der ursprünglichen Gestalt war im Dezember des Jahres 1911 abgeschlossen. Seither besteht das Schloss in seiner heutigen Form.

Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Guttenberg eine evangelische und eine katholische Schule. Eine neue protestantische Schule wurde 1819 in der Dorfmitte (heute Obere Dorfstr.)von der evang. Kirchengemeinde errichtet.

Der Lehrer war zugleich Kantor und Kirchner. Die neue katholische Schule wurde 1820 am nordwestlichen Dorfende (heute Hohberg) von der politischen Gemeinde erbaut.
Auch der kath. Lehrer war zugleich Mesner, Organist und Chorrektor und besorgte die Gemeindeschreiberei von Guttenberg und Vogtendorf.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die evangelischen und katholischen Kinder gemeinsam in beiden Gebäuden unterrichtet. Ein neues Schulhaus, in dem nun alle Kinder des Ortes unterrichtet wurden, entstand in der Siedlung. (2 Lehrer für 96 Kinder)

1960
Aufgrund nachlassender Schülerzahlen wurde dieses Schulhaus 1990 aufgelassen und die Guttenberger Kinder werden seitdem im Schulverband Untersteinach/Kupferberg unterrichtet.

Ein wichtiges Ereignis in der Entwicklung der Gemeinde war 1892 der Neubau der gemeindlichen Wasserversorgung mit einer Bausumme von rund 17.000,-- Mark.

Diese Anlage war bis 1975 in Betrieb, als die Versorgungseinrichtung komplett erneuert wurde. Im Jahr 2003 wurde mit dem Anschluß an die Kläranlage der Stadt Kulmbach eine zeitgemäße Abwasserentsorgung sichergestellt und damit auch die weitere Ausweisung von Bauplätzen ermöglicht.

 
1946
hatte die Gemeinde bedingt durch die Zuwanderung von Flüchtlingen 980 Einwohner. Ein Rückschlag musste hingenommen werden, als 1951 die 120 Einwohner  der 19 Häuser des Ortsteiles Neuguttenberg die Umgemeindung nach Traindorf beantragten.
Nachdem sich bei einer Abstimmung 80% für die Umgemeindung entschieden, wurde per 1.1.64 die Gebietsänderung von der Regierung verfügt.  Trotzdem hatte man 1970 noch 618 Einwohner zu verzeichnen. Glück hatte die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform 1978, als durch die Bemühungen des damaligen
Landtagsabgeordneten Herbert Hofmann und des Bundestagsabgeordneten Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg die Selbständigkeit erhalten werden konnte.
Seit 1.1.1978 ist Guttenberg mit rund 600 Einwohnern die kleinste selbständige Gemeinde Oberfrankens und gehört der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach an.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ernährte sich die Bevölkerung Guttenbergs von der Landwirtschaft, dem Handwerk, der Hausweberei und der Tätigkeit als Tagelöhner. Heute versteht sich das Dorf als idyllisch gelegene Wohngemeinde. Die Einwohner verdienen ihren Lebensunterhalt größtenteils als Pendler in Betrieben und Ämtern der Kreisstadt Kulmbach.

Die Landwirtschaft spielt für die Erwerbssituation keine bedeutende Rolle mehr. Durch Ausweisung von Bauland wird versucht, die Einwohnerzahl zu halten oder eventuell zu steigern.

Der Guttenberger Adelsfamilie ist es gelungen, über die Jahrhunderte hinweg ihren Besitz zu erhalten.

Am Ortseingang erstrahlt ihr Schloss auf der Anhöhe eingebettet in prächtigem Laubwald.

 


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