Humboldt-Haus

Das Humboldt Haus in Bad Steben

Alexander von Humboldt,
sein Name ist Legende. Der Naturforscher und Humanist zählt heute zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Geschichte. Er hat Wissenschaftsgeschichte geschrieben, wie kein anderer Forscher seiner Zeit.

Von Humboldt, naturwissenschaftliches Universalgenie, setzte Meilensteine in Physik, Chemie und Biologie, Astronomie, Geologie und Kartographie. Geophysik und Pflanzengeographie wurden durch seine Arbeiten erst zu eigenen Fachdisziplinen. Heute rühmen sich mit seinem Namen viele Universitäten, Städte und ganze Regionen. Meeresströmungen, Bergmassive, Seen und Flüsse tragen heute seinen Namen.
Alexander von Humboldt, geboren am 14. September 1769 in Berlin, gestorben am 8. Mai 1857 in seiner Geburtsstadt, lebte 1792 bis 1795 in Bad Steben.

Das Humboldt-Haus gehört Marlies Milde, die auf Anfrage auch eine kleine Führung macht. Die Bilder zeigen das Humboldt- Haus und die Einrichtung. Die Mineralien-Sammlung ist von Humboldt angelegt worden.

Es ist sicherlich nicht vermessen zu behaupten, dass der damals 23jährige Humboldt im damaligen Steben wesentliche Grundsteine für sein späteres Forscherleben legte. Bad Steben darf zurecht stolz auf seinen berühmtesten Bürger sein, die Schule, eine Straße, Kliniken und viele kleine Dinge tragen hier seinen Namen. Im heutigen Humboldt-Haus in der Badstraße, erbaut 1781 als Jagdhaus des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, wohnte und arbeitete der Naturforscher. Noch heute geht von dem Haus ein Flair aus, der dem Besucher den Eindruck vermittelt, dass hier Weltgeschichte geschrieben wurde.
In seinem Dachzimmer verfasste er viele Briefe an König Friedrich Wilhelm II, an Bergbauämter und an Freunde, alle tragen sie die Überschrift: „Steeben auf Nailaer Refier, den ..“
Später ist in dem berühmten Hauptwerk „Kosmos“ über Steben zu lesen: „Diesseits des Meeres finde ich wohl nie so einen Ort wieder ...“
Humboldt erinnert sich: „Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, dass ich mich vor dem Eindruck fürchte, den es, wenn ich es wiedersehen, auf mich machen wird ...“
Neben Tegel, Berlin und Paris verbrachte Humboldt in Steben, rein rechnerisch gesehen, die längste Zeit, die er sich kontinuierlich an einem Ort aufgehalten hat.
Im Juni 1792 kam Humboldt in Steben an, wissenschaftlich noch weitgehend unbekannt und gesundheitlich angeschlagen. Bei seinem Weggang von Steben war er einer der meistgefragtesten Wissenschaftler seiner Zeit und in einem körperlich so robusten Zustand, der ihm erlaubte, seiner späteren Südamerikareise gewachsen zu sein.
Ob jemals aus Bad Steben wieder ein solches Universalgenie hervorgeht, ist ungewiss. Eines ist jedoch sicher: Damals und Heute ist Bad Steben ein Ort, der es ermöglicht, Gesundheit und Wohlbefinden wiederherzustellen.

Rückblick
(aus der Festschrift zu den 2. gesamtdeutschen Humboldt-Tage, von Dr. med.Ernst Hemmann, Bad Steben)
Die Jugendjahre Alexanders, der schon im zehnten Lebensjahr seinen Vater verlor, waren in vieler Beziehung entmutigend. Er war einer strengen Zucht unterworfen, seine Talente völlig unerkannt. Es herrschte das altpreußische Prinzip, dass Kinder nur zu sehen, nicht aber zu hören sein sollten. Entsprechend verlief der Unterricht durch die Hauslehrer im dozierenden Stil. Das Bedürfnis Alexanders, alle Dinge hinterfragen und ergründen zu wollen, blieb gänzlich unberücksichtigt. Zudem konnte er durch die überwiegend schöngeistig-musischen Lehrinhalte kaum motiviert werden. Auch trugen die übersteigerten Erwartungen der Mutter und der Umstand, dass er stets min seinem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm zusammen unterrichtet wurde, nicht zur Hebung seiner Motivation bei. Unter diesen Umständen war er ein schlechter Schüler, dem eine schlechte Auffassungsgabe und mangelnde Eignung für die Universität bescheinigt wurden.
Viel später erst, in der weltoffenen Atmosphäre des berühmten Salons der Henriette Herz, erstmalig die Luft der Freiheit atmend, zeigte sich zur Überraschung aller, wie schnell dieser Alexander die physikalischen Experimente und Vorlesungen des Dr. Herz begriff und auch mühelos und mit größtem Vergnügen die Unterrichtstunden verfolgte.

Die Universitätsjahre begannen eher betrüblich. Eingedenk der Vorbehalte der Lehrer bezüglich Alexanders Begabung sollte er mit Wilhelm, immer noch unter der Obhut des Hofmeisters Knuth, Cameralie (Volkswirtschaft) studieren. Man wählte Frankfurt an der Oder, da dort das Quartier eines befreundeten Professors verfügbar war. Hier gab es aber nichts auf dem Lehrplan, was Alexander hätte interessieren können.
Nach diesem, in den Augen der Mutter frustalen, Studienversuch kehrte er nach Semesterende im Frühjahr 1788 für ein Jahr nach Hause zurück, um in Berlin Technologie und praktische Studien in der dort ansässigen Textilindustrie zu betreiben. Wichtig für Alexander war die damals sich ergebende Freundschaft mit dem jungen Pflanzenkundler Ludwig Wildenow, der ihn in die systematische Botanik einführte. Zeitlich ereignete sich damals wohl, was Alexander selbst so beschreibt: dass „auf einmal das Licht in seinem Kopf eingetreten sei“. Er sieht erste Möglichkeiten, sein Leben sinnvoll zu gestalten.

In Göttingen (1789 – 1790), der in den Naturwissenschaften angesehensten Universität, sind für Alexander weniger die Vorlesungen gewinnreich, als die persönlichen Kontakte mit namhaften Männern der Naturwissenschaft, wie Blumenbach und Lichtenberg. Von Bedeutung sind die Gespräche mit dem holländischen Botaniker und Mediziner Jan van Geuns, mit dem er eine erste Reise zu dem berühmten James-Cook-Gefährten I.R. Forster nach Mainz unternimmt. Wichtig für das Zustandekommen seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit („Beobachtungen über einige Basalte am Rhein“) ist das Privatissimum des Chemikers und Mineralogen Friedrich Link.. Im Frühjahr 1790 unternimmt er mit Forster eine Reise rheinabwärts nach Belgien, Holland und England, und –auf dem Rückwege – in das revolutionäre Paris. Forster muss bei dieser Begegnung von dem jungen Humboldt sehr angetan gewesen sein, bemerkt aber seine schlechte Gesundheit: „dass der Körper leidet, weil der Geist zu tätig ist und die logische Erziehung der Herren Berliner seinen Kopf garzusehr mitgenommen haben".

Die stets besorgte Mutter war für das akademische Intermezzo an der Hamburger Handelsakademie verantwortlich (1790 – 1791),, wo Alexander den für die kaufmännische Laufbahn notwendigen Einblick bekommen sollte. Schon den Bergbau und die Mineralogie im Kopf, beugt er sich der mütterlichen Verfügung und nutzt die Zeit für das Studium seiner Interessensgebiete.
Die Zwiespältigkeit seiner Situation und seine intensiven Arbeiten tief in die Nacht hinein brachten Alexander an die Grenze seiner physischen und psychischen Belastbarkeit.
In dieser zum Zerreißen gespannten Situation bewirbt sich Alexander am Preußischen Ministerium für Industrie und Bergbau bei Baron von Heinitz, dem Gründer der Bergakademie in Freiberg, der wohl auch schon Kenntnis von Humboldts Schrift über „Basalte am Rhein“ hat und ihm die Einstellungszusage für den Staatsdienst erteilt.
Alexander atmet auf, der erste Schritt in die Selbständigkeit ist getan.

Die Stebener Zeit:
Die Bergakademie in Freiberg ist seitens der Behörde nur als einjähriger Vorbereitungsdienst gedacht. Aber Alexander stürzt sich mit Elan in ein Studium, das so ganz und gar nach seinem Sinn ist.
Als Preußen 1792 die oberfränkischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth annektierte, fordert der in Bayreuth residierende Staatsminister von Hardenberg den frischgebackenen Bergassessor zur Bestandsaufnahme der Gruben und Hütten in diesen neuen Provinzen an.
Humboldt zieht im Juni 1792 in Steben ins heutige „Humboldt-Haus“ ein.
In einem kaum vorstellbaren Kraftakt von ca. zehn Wochen (Juni bis August 1792) schaffte es der junge Mann, einen 150 Seiten langen, umfassenden Bericht der Situation nach Berlin zu schicken, der dort helle Begeisterung auslöste. Die Humboldt´schen Ökonomisierungsvorschläge und die detaillierten Meldungen über die reichen Bodenschätze Oberfrankens (u.a. Silber, Kupfer, Zinn, Blei, Eisen und Edelsteine), vor allem aber seine Berichte über die von ihm neuentdeckten Goldflöze kamen der Behörde sehr entgegen, da die Finanzen in der Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. in trostloser Verfassung waren.
Auf Vorschlag seines Ministers von Heinitz wurde Humboldt sogleich zum Oberbergmeister im Nailaer Revier ernannt und jubelte in dem Brief vom 27.August 1792 an Freund Freiesleben:
„Ich taumele vor Freude. Vor einem Jahr fragte ich Sie, was ein Gesenk wäre, und jetzt bin ich Oberbergmeister. Ich werde nun ganz dem praktischen Bergbau und der Mineralogie leben. -Ich wohne auf dem hohen Gebirge in Steben .....
Schon 1793, nach der Verlegung des Bergamtes von Naila nach Steben, errichtete Humboldt in Steben in Eigeninitiative eine Königliche freie Bergschule, um seinen Bergmannen die elementarsten Berufskenntnisse beizubringen. Außerdem war Unterricht im Rechnen, Schreiben und Lesen angesagt. Von Heinitz hatte ein offenes Ohr für diese Gründung, hatte er doch auch 1777 in Freiberg ein solche Zeichen- und Rechenschule eröffnet. Als Humboldt die Auslagen für seine Unternehmung zurückerstattet bekommen sollte, schlug er vor, mit dem Betrag eine Krankenkasse und eine Witwenversorgung anzulegen; ein für die damalige Zeit beispielloser Akt sozialer Gesinnung, aber auch Zeugnis der fürsorglichen Haltung dieses jungen Liberalen. Auch die Kostenfreiheit für die Teilnahme an der Bergschule war hiefür ein Hinweis.
Das Gebäude des alten Bergamtes existiert heute in Bad Steben nicht mehr. 1965 wurde es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Zumindest in Anlehnung an den damaligen Baustil steht heute, unmittelbar neben dem Humboldthaus das „Hotel Zum Alten Bergamt“.

Mit Tatkraft und Einfallsreichtum brachte es der neue Chef im Revier dazu, dass in Jahresfrist die Erträge aus den Bergwerken sich vervielfachten. Man lobte das Genie des jungen Mannes, dem man die kühnste Karriere voraussagte. Er aber war lieber hier unterwegs, um abgelegene Orte durch Straßebau zu erschließen, oder, zur Sicherung der Arbeitsbedingungen eine Grubenlampe und ein Beatmungsgerät zu erfinden.
Er schreibt: „In einem fern von der Meeresküste gelegenen, durch starken Bergbau berühmten Gebirge lebend, fühlte ich den Trieb zu See und zu weiten Fahrten immer mächtiger in mir werden.“
In Steben wurden, auf lange Sicht, schon Vorbereitungen für spätere Unternehmungen getroffen. Vorrangig waren intensive wissenschaftliche Aktivitäten: Gleichzeitig arbeitete er an drei Veröffentlichungen, u.a. an der Beschreibung der „Florae Freibergensis“ in Lateinisch, sowie über den „Versuch über die gereizte Muskel- und Nervenfaser nebst Vermutungen über den chemischen Prozeß in der Thier und Pflanzenwelt.“ Von überall her kamen Anfragen über wissenschaftliche Probleme an das Oberbergamt in Steben, das ein naturwissenschaftliches Pedant zu Weimar zu werden schien.
Von Steben aus unternimmt er Reisen nach der Schweiz und in die Tiroler Alpen, wo er den Gebrauch des Sextanten, der erst wenige Jahrzehnte vorher erfunden worden war, üben konnte.
In die Stebener Zeit fällt die schicksalsschwere Begegnung mit dem jungen Bayreuther Leutnant Reinhardt von Haeften, die ihn sich lebenslang für die Einsamkeit entscheiden lässt. „Sie lehrt uns, uns selbst zu erforschen und Selbstachtung zu erlangen, unabhängig von der Meinung anderer.“ (Scurla, a.a.O,S 55)

Im Umfeld von Weimar und Goethe befand er sich in dem Bannkreis, wo große Ideen erstmalig angestoßen wurden. „Auf dem hohen Gebirge“, abseits der Turbulenzen des kriegerischen Geschehens dieser Zeit, hatte er Abstand und Überblick und wartete auf seinen Moment. Es bedurfte noch der letzten Trennung vom Elternhaus und der finanziellen Sicherung, um nach dem Tode seiner Mutter den Staatsdienst zu quittieren (Februar1797).

Ein Glücksfall lässt Humboldt in dem Pariser Hotel „Boston“ seinen späteren Botanikweggefährten Aimé Bonpland finden. Zufällig trifft er am spanischen Hof in Aranjuez den ihm von Dresden her bekannten Botschafter Forell wieder, der ihm alle für seine amerikanische Unternehmung notwendigen königlichen Vollmachten verschafft. Ein verlässliches Schiff, die Pizarro, wird gefunden, das den jungen Forscher am 25.Juni 1799 endlich von den kanarischen Inseln seinen Träumen und Zielen entgegensegeln lässt. Eine Forschungsreise ohnegleichen nimmt ihren Anfang, doch das ist eine andere Geschichte.
Steben aber wird Humboldt immer in Erinnerung bleiben und Humboldt wird Bad Steben immer in Erinnerung bleiben.

Quellen:
Festschrift zu den 2. gesamtdeutschen Humboldt-Tagen in Bad Steben 1992 von Dr. med. Ernst Hemmann, Bad Steben, mit Quellenangaben aus Alexander von Humboldt, Eine wissenschaftliche Biographie von Karl Bruhns, Verlag F.A. Brockhaus, Leipzig, S. 155, Andere Zitate u.a. aus: Herbert Scurla, Alexander von Humboldt, Eine Biographie, Claasen Verlag, 1. Auflage 1982)

Vielen Dank für die Zusammenstellung des Textes und die Bereitstellung der Fotos an Herrn Heger. Besuchen Sie seine Ferienwohnungen unter Ferienwohnungen Heger

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